Kindsein aus Kindersicht

Ein ausführlicher Bericht von Heinz Wagner dazu erschien online im Kinderkurier am 25.11.2012.
Hier der Artikel:

Fachleute für Kindheit zwischen 8 und 16 Jahren arbeiteten parallel zu „alten“ Wissenschaftler_innen bei einer Tagung des „Theaters der Jugend“

In der Mitte Streberkind, links und rechts Vater und Mutter. Soooo viel kann das Kind gar nicht büffeln, als dass die Eltern zufrieden sind. Jana Mc Kinnon, Ophelia Kohler und Clara Luise Bauer schlüpften in diese Rolle. Lucy Steinwender bannt einzelne der Posen auf den Chip der Digitalkamera. Es ist eine der Szenen, die den vier Mädels zurr „Rolle des Kindes“ einfällt. Das Ganze spielt sich beim Symposion des Theaters der Jugend ab. Zu dessen 80. Geburtstag hatte diese Institution mit seinen beiden Häusern (Neubau- und Liniengasse) Fachleute – meist Uniprofessor_innen aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen eingeladen, um zum Thema „Wert – Objekt – Kind“ zu referieren. Von der Stellung von Kindern im römischen Recht über Studien und Vorschläge, was Lehrer_innen lernen könnten, damit die grundsätzlich neu- und wissbegierigen Kinder auch in der Schule (wieder?) gern lernen bis zur Frage, „wann denken Kinder nach“.

Kindersicht auf 80 Jahre Theater der Jugend

Von den Zuschauer-Sitzen zum aktiven Rollenspiel Am ersten Tag des Symposions wurden 20 junge Fachleute, Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 16 Jahren eingeladen, ihre Sicht aufs Thema Kind-Sein in kleinen Arbeitsgruppen zu beackern. Die oben geschilderte Vierergruppe dachte sich einige Situationen aus, die nicht selten vorkommen, kostümierten sich und operierten vor allem mit Körperhaltungen und Blicken, um das Typische dafür auszudrücken. Die Szenenfotos finden sich – samt Sprechblasen – in der Zeitung sowie im Film, der im Laufe des Tages (mit professioneller Hilfe) entstand. Textlich setzten die vier Girls ihre Gedanken in Form eines Tagebucheintrags um. (…) Kindersicht auf 80 Jahre Theater der Jugend

Bild-Auswahl und Texten

Andere Szenen – und die einmal heute, einmal vor ungefähr 100 Jahren – nahmen sich Valentina Forchtner, Anna Khoudokormova, Olivia Spering und Ollin Sobotka her, drehten dazu einen Film und suchten einzelne Bilder aus, um sei im Vergleich für die Zeitung gegenüber zu stellen. „In der Schule hat es zum Beispiel Strafen wie Schläge gegeben, heute „gibt es nur Ermahnungen leiser zu sein, Strafen wie Schläge sind verboten“, schreib das Quartett für die Zeitung. „Zu Hause mussten Kinder, besonders Mädchen, oft den Boden schrubben, heute hat’s eine Mama gar nicht immer leicht, wenn sie ein Kind bittet, den Mist raus zu tragen“, erzählen die vier dem KiKu. Beim Spielen der verschiedenen Szenen konnte die Gruppe darauf aufbauen, dass einige der Kids auch Erfahrung im Theaterklub haben.

Zeichentrick

Zu einer anderen Methode und Technik griff die Gruppe Kinderrechte. Louisa Schober, Felix Forgo, Milan Hanak und Sofia Saavedra zeichneten – mit Buntstiften auf Papier – ihnen besonders wichtige Rechte wie jenes auf Spielen, Essen und Trinken, Schule, Schutz vor Gewalt, genügend Schlaf… Die Bilder schnitten sie aus, fotografierten sie und machten daraus einen Zeichentrickfilm. Mit verschiedenen Jugendkult-Gruppen einerseits, vor allem aber auch mit dem Stecken in Schubladen setzten sich Adelina Schnider, Anna Nagel, David Gamel und Konrad Müller auseinander. Sie spielten eine Klassen-Szene, wo Rollen wie Streberin, Emo, Skater, Hipster zugeschrieben und gespielt werden. Und „dass es ziemlich schwer ist, da dann auch rauszukommen“.

Interviews und Umfrage

Schließlich agierten Fabian Haag, Hannah Huber, August Schindele und Anna Forgo als TV-Reporter_innen, interviewten Leute vom Theater ebenso wie Referent_innen der Tagung und befragten Passant_innen auf der Straße. Von denen die meisten meinten, „Kindsein heiße Spaß, Spiel…“ Kommentar der vier Kids: „Aber Kindsein bedeutet auch Verantwortung tragen, Zimmer aufräumen …  und kann manchmal anstrengend sein!“

(Queller Online Kurier 25.November 2012 Link
http://kurier.at/lebensart/kiku/kindsein-aus-kindersicht/1.357.576)